Was ist Dual-Boot?

Dual-Boot bedeutet: Zwei Betriebssysteme auf einem Rechner, die beim Start abwechselnd ausgewählt werden können. Man schaltet den Computer ein, sieht ein Auswahlmenü – und entscheidet dann, ob man Windows oder Linux starten möchte.

Das ist ein guter Kompromiss für alle, die Linux kennenlernen möchten, aber noch nicht auf Windows verzichten können oder wollen. Beide Systeme sind vollständig vorhanden, keines beeinträchtigt das andere im laufenden Betrieb.


Wie funktioniert Dual-Boot technisch?

Partitionierung

Die Festplatte wird in sogenannte Partitionen aufgeteilt – getrennte Bereiche, von denen jeder einem bestimmten Zweck dient. Windows nutzt dabei bereits von Haus aus mehrere Partitionen: eine EFI-Partition (für den Start des Computers), eine kleine Microsoft-Reserved-Partition, die eigentliche Windows-Partition (Laufwerk C:) und eine Recovery-Partition zur Systemwiederherstellung.

Beim Dual-Boot kommt mindestens eine weitere Partition für Linux hinzu. Moderne Linux-Installer können die bestehende Windows-Partition (C:) automatisch verkleinern und den gewonnenen Platz für Linux verwenden – ohne dass Windows-Daten verloren gehen. Das ist heute meist reibungslos möglich, aber nicht ganz ohne Risiko, weswegen ein Backup unverzichtbar ist.

Die EFI-Partition wird von beiden Systemen gemeinsam genutzt – Linux trägt dort seinen Bootloader ein, Windows bleibt davon unberührt.

Der Bootloader

Das Auswahlmenü beim Start heißt Bootloader. Unter Linux heißt er meistens GRUB. Er erscheint beim Einschalten und ermöglicht die Wahl zwischen den installierten Betriebssystemen. Man wählt per Tastatur oder wartet, bis automatisch das zuletzt gewählte System startet.

GRUB erkennt Windows automatisch und trägt es ins Menü ein – aber nur, wenn beide Systeme auf demselben Datenträger installiert sind. Wer Linux auf einer zweiten, separaten Festplatte oder SSD installiert, verwendet stattdessen das Boot-Menü des BIOS/UEFI (beim Einschalten meist mit F8, F10, F11 oder F12 erreichbar), um zwischen den Systemen zu wählen. Windows weiß in diesem Fall nichts von Linux und zeigt es auch nicht an.


Was muss man beachten?

Genug Speicherplatz

Linux selbst benötigt je nach Distribution 20–30 GB für das System. Für Programme und Dateien sollten mindestens weitere 20–30 GB eingeplant werden. Als Faustregel: Wer Dual-Boot einrichten möchte, sollte noch mindestens 60 GB freien Speicherplatz auf der Festplatte haben.

Secure Boot

Neuere Computer haben eine Sicherheitsfunktion namens Secure Boot, die nur signierte Betriebssysteme startet. Die meisten verbreiteten Linux-Distributionen (Ubuntu, Linux Mint, Fedora) unterstützen Secure Boot grundsätzlich und können damit installiert werden.

Beim ersten Neustart nach der Installation erscheint jedoch möglicherweise ein ungewohnter Bildschirm: der sogenannte MOK-Manager (Machine Owner Key). Dieser fragt nach einem Passwort, das man während der Installation festgelegt hat, und bittet um Bestätigung eines Sicherheitsschlüssels. Dieser Schritt ist besonders dann nötig, wenn proprietäre Treiber – etwa für NVIDIA-Grafikkarten oder bestimmte WLAN-Chips – verwendet werden. Wer den Bildschirm nicht kennt, ist schnell verunsichert. Der MOK-Manager erscheint nur einmal; wer ihn verpasst, muss den Prozess manuell neu anstoßen. Im Zweifelsfall kann Secure Boot vorübergehend im BIOS/UEFI deaktiviert werden – das ist die einfachere Lösung für Einsteiger.

BitLocker beachten

Wenn Windows mit BitLocker verschlüsselt ist (auf neueren Windows-11-Geräten oft standardmäßig aktiv), muss BitLocker vor der Linux-Installation vorübergehend deaktiviert werden. Andernfalls kann der Linux-Installer die Windows-Partition nicht verkleinern. Nach der Installation kann BitLocker für den Windows-Bereich wieder aktiviert werden.

Dateizugriff zwischen Systemen

Linux kann auf unverschlüsselte Windows-Partitionen zugreifen – Dateien lesen und schreiben. Ist die Windows-Partition jedoch mit BitLocker verschlüsselt (was auf neueren Windows-11-Geräten oft automatisch der Fall ist), ist dieser Zugriff von Linux aus ohne weiteres Zutun nicht möglich.

Umgekehrt kann Windows Linux-Dateisysteme ohne zusätzliche Software in der Regel nicht lesen. Wer Dateien zwischen beiden Systemen austauschen möchte, legt sie am besten auf einer unverschlüsselten Windows-Partition ab.

Verschlüsselung

Wer den Linux-Bereich vollständig verschlüsseln möchte, hat je nach Distribution unterschiedliche Möglichkeiten. Ubuntu ab Version 25.04 unterstützt die verschlüsselte Installation neben Windows direkt im grafischen Installer. Für andere Distributionen ist das aufwändiger. Mehr dazu auf unserer Seite über Linux installieren und verschlüsseln.

Windows-Updates

Größere Windows-Updates können gelegentlich den Bootloader überschreiben, sodass beim nächsten Start direkt Windows gestartet wird statt GRUB. In solchen Fällen muss GRUB repariert werden – das ist technisch möglich, aber erfordert etwas Aufwand. Kleinere Updates bereiten in der Regel keine Probleme.


Welche Distribution für Dual-Boot?

Grundsätzlich kann jede Linux-Distribution als Dual-Boot installiert werden. Für Einsteiger eignen sich besonders:

  • Ubuntu 25.04 oder neuer – einzige verbreitete Distribution, die verschlüsselte Dual-Boot-Installation direkt im grafischen Installer unterstützt
  • Linux Mint – einsteigerfreundlich, vertraute Windows-ähnliche Oberfläche, guter Installer
  • Fedora – modern, gute Hardwareunterstützung, zuverlässiger Installer

Vor der Installation empfiehlt sich immer ein Test als Live-System vom USB-Stick – so weiß man vorab, ob die eigene Hardware gut unterstützt wird.

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